Haskala Porträts
Porträt Marcus Herz
Friedrich Georg Weitsch
(Braunschweig 8.8.1758-30.5.1828 Berlin)
Das Porträt des jüdischen Aufklärers (Maskil) Marcus Herz entsteht etwa ein Jahr nach dem ersten Berlin-Besuch des Malers, Friedrich Georg Weitsch. Weitsch sah sich 1794 nach zahlreichen Lehrjahren in Kassel, Düsseldorf, Holland und Italien finanziell gezwungen, seine Geburtsstadt Braunschweig zu verlassen und seine Künstlertätigkeit in Berlin fortzusetzen. Hier erhoffte er sich ergiebige Aufträge, nachdem seine zwei ausgestellten Porträts in der Kunstakademie Berlin wohlwollende Kritik erhalten hatten. Per Inserat empfahl er sich im Frühjahr seiner Ankunft mit einer breiten Angebotspalette: Er male Bildnisse „in Ölfarbe, von allerlei Größe, das heißt von Lebensgröße bis zu der Größe eines Eyes, auch in Pastellfarbe und Zeichnungen in der Manier von Schwarzkunst Kupferstich“ (Lacher, 72). In Friedrich Georg Weitschs Œuvre sind alle diese Techniken zu finden, wenn auch zu ungleichen Anteilen. Das Metier des Porträtisten Weitsch scheint offenbar das Ölgemälde zu sein, wobei er nur selten vom lebensgroßen Format abweicht.
In seinen Werken spiegelt sich der Porträtdiskurs des ausgehenden 18. Jahrhunderts insofern wieder, als sämtliche Nobilitierungsstrategien zur Aufwertung der Porträtmalerei von Weitsch eingesetzt werden. Der weit verbreiteten Kritik, ein Porträt sei bloß die mechanische Nachahmung des Porträtierten, entgeht er meisterhaft, indem er die idealistische Position von Sonnenfels mit den Forderungen der physiognomischen Lehre Lavaters verbindet. Dem Ausspruch Sulzers „der Körper sei das Bild der Seele“ (Lacher, 71) wird er ebenso gerecht, wie dem Zeitgeschmack einer sittlichen Funktionalisierung des Porträts.
Literatur: LACHER, Reimar F.: Friedrich Georg Weitsch, Berlin 2005.

