Haskala Porträts

Marcus Herz

(Berlin 17.1.1747-19.1.1803 Berlin)

 

Marcus Herz, Kupferstich

Marcus Herz kommt in Berlin als Sohn einer armen jüdischen Familie zur Welt. Sein Vater ist Toraschreiber der jüdischen Gemeinde, seine Mutter die Tochter eines Bediensteten. Innerhalb weniger Jahre gelingt Marcus Herz ein sozialer Aufstieg, der ihm eine geachtete Position inmitten des sich neu formierenden Berliner Bürgertums einbringt. Gefördert durch die Familie Moses Friedländers besucht Herz parellel zu seinem Medizinstudium die Philosophie-Vorlesungen Immanuel Kants in Königsberg und hinterlässt Eindruck: Gegen Widerstände der Fakultät erwählt der Königsberger Philosoph den jüdischen Studenten zum Respondenten seiner Inauguraldissertation. Mit den besten Empfehlungen Kants kehrt Herz 1770 nach Berlin zurück, um sich dem Kreis um Moses Mendelssohn anzuschließen. Hier setzt er auch sein Medizinstudium am Collegium medico-chirurgicum fort. Da das Collegium jedoch kein Promotionsrecht besitzt, beendet Herz sein Studium 1774 in Halle, um endlich in Berlin als praktischer Arzt tätig zu werden. Schon bald beruft man ihn ans jüdische Krankenhaus, wo er ab 1782 die Direktion inne hat. 1787 ernennt ihn König Friedrich Wilhelm II. zum ersten jüdischen Professor der Philosophie. Mit diesem Titel bewirbt er sich 1792 um eine Aufnahme in die Königlich Preußische Akademie der Wissenschaften, die ihm jedoch wegen seiner Zugehörigkeit zur jüdischen Gemeinde verweigert wird.

 

 

 

Henriette Herz, porträtiert von Anton Graff, 1792

Als Friedrich Georg Weitsch 1795 Marcus Herz porträtiert, ist dieser nicht nur innerjüdisch bereits zu einer Leitfigur der Berliner Aufklärung avanciert. In seinem Privathaus hält er Vorlesungen über Philosophie und Medizin, die auch von der bürgerlichen nicht-jüdischen Avantgarde und dem preußischen Hochadel, wie dem Minister Karl Abraham von Zedlitz, rege besucht und geschätzt werden. Während Henriette Herz, seine Frau, in einem der Nebenräume ihren bekannten literarischen Salon führt, verbreitet Marcus Herz als Kantianer der ersten Stunde die philosophischen Gedanken seines Lehrers oder referiert anschaulich über seine neuesten wissenschaftlichen Ansätze zur Experimentalphysik.

 

 

 

 

 

Literatur: LEDER, Christoph Maria: Die Grenzgänge des Marcus Herz. Beruf, Haltung und Identität eines jüdischen Arztes gegen Ende des 18. Jahrhunderts, Münster 2007; DAVIES, Martin L.: Identity or History? Marcus Herz and the End of the Enlightenment, Detroit 1995; SCHULTE, Christoph: Die jüdische Aufklärung, München 2002.

 
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