Haskala Porträts

Porträt Henriette Herz

Objektgeschichte

 

Da sowohl Malerin als auch Dargestellte zum Zeitpunkt der Entstehung des Bildes in Berlin lebten, wird es vermutlich auch im dortigen Atelier Therbuschs und Lisiewskis entstanden sein. Schon vor ihrer Hochzeit muss es einer gewissen Öffentlichkeit bekannt gewesen sein, da es bereits in ihrem Hochzeitsgedicht genannt wurde. Hernach befand es sich im Hause Herz und war dort dem Publikum zugänglich. So hatte etwa Schadow mit Sicherheit das Therbusch-Porträt vor Augen, als er Henriette pries, sie habe „mit dem fünfzehnten Jahre eine junonische Gestalt erreicht [hatte] und hierin die Anmut überschritt[en]“ (in: Maaz, 203). Schadow lernte Henriette erst etwa zwei Jahre später kennen und auch er nahm sich ihr ungewöhnliches Äußeres zum Vorbild für zwei Arbeiten: eine Bleistiftzeichnung mit Turban, in der sie eher eine Orientalin verkörpert, und seine erste eigenständige plastische Arbeit – eine Büste aus Ton. Da ihm diese beim Brennvorgang zerbrach, fertigte er zwei Jahre später eine neue Büste an, auf der Henriette in antikisierendem Gewand als Griechin erscheint.

Für Henriette bedeutete Therbuschs Porträt Zeit ihres Lebens an ihre Jugend erinnert zu werden. Es befand sich daher immer in ihrer Wohnung und taucht öfters in ihren Memoiren auf, als ihr alternder Körper den einstigen Glanz bereits eingebüßt hatte. Ihr Ehemann schien das eher bürgerliche Porträt, das Anton Graff 1792 von ihr anfertigte, höher zu schätzen, immerhin hing es in seinem Arbeitszimmer. Im Alter, so berichtet Fanny Lewald, sei das Bild das einzige Kunstwerk gewesen, das sich in Henriettes kleiner Wohnung befand. Nach ihrem Tod kam es vermutlich in die Hände der Familie ihrer Schwester und wurde 1889 von der Berliner Nationalgalerie aus dem Nachlass der Thérèse Herz, geb. Wallach erworben, in deren Besitz es sich seitdem befindet. Während der Teilung der Stadt gehörte es zur Sammlung der Nationalgalerie West und befindet sich derzeit nicht in der ständigen Ausstellung, sondern im Depot. Nur zu gelegentlichen Ausstellungen, wie etwa der großen Preußen-Ausstellung im Martin-Gropius-Bau 1981, findet es seinen Weg zurück in jene Öffentlichkeit, für die es ursprünglich geschaffen worden war.

 

Literatur: Bernhard MAAZ (Hrsg.): Johann Gottfried Schadow und die Kunst seiner Zeit, Ausst.-Kat., Kunsthalle Düsseldorf 1994, Nationalgalerie Berlin 1995, Köln 1994.

 
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